Fake Talk

Der nachfolgende Text spiegelt einen Teil meiner persönlichen Realität wider. Er ist ein phasenweise existierender Teil meines Lebens, ist aber kein Dauerzustand. Lesen auf eigene Gefahr.

Ein Glas Wein. Eine Zigarette danach. Das aufregende Leben eines Mittzwanzigers kennt keine Grenzen. Während sich meine sogenannten Freunde seit Wochen nicht bei mir gemeldet haben, nähere ich mich dem inneren Zerfall mit exorbitanter Geschwindigkeit. Immerhin ist der Hund noch da. Und selbst der macht mehr Probleme als er mir zwischenzeitlich Laune macht. Es ist schwer an das Gute im Leben zu glauben, wenn man eigentlich ganz allein ist. Natürlich ist man nie ganz allein. Man hat ja Kollegen, Bekanntschaften und Freunde, die einen irgendwie durch den Dschungel interpersonaler Beziehungen lotsen. Aber wie jegliche Form von Beziehungen oder Kommunikation birgt auch das seine Tücken, seine Vor- und vor allem seine Nachteile. 

Ich hasse diese unverbindlichen „Wir können ja mal was machen“- Angebote, die man wohlwilligend zusagt. Doch wer denkt, dass es sich hierbei um eine Verbindlichkeit handelt, hat sich aber deutlich ins eigene Fleisch geschnitten. So tief, ich kann deine Pulsadern schon sehen. Blutig, pulsierend der Anfang und das Ende in einer Blutbahn. Wer denkt, dass ich jetzt von Selbstmord philosophieren will: Trigger-Warnung aus. Keine Sorge. So weit war es nie. Wird es nie sein. Doch nicht deinetwegen.

Zurück zum Thema: seitdem man den Vierbeiner hat, rückt meine Persönlichkeit in den Hintergrund. Ich bin nur noch Frauchen von. Was ein ganz normales Verhalten von randomisierten Hundeliebhabern ist, die man zufällig auf dem Hundeplatz trifft, haben meine vermeintlichen Freunde zur Perfektion getrieben. „Klar komm ich dich besuchen“, „klar machen wir was“, „klar kochen wir zusammen“. Nette Angebote mit komplett leerem Inhalt. Halt doch deine Schnauze, wenn du keinen Bock hast mit mir rumzuhängen. Aber dann komm auch nicht an, wenn du meinen Hund streicheln willst und mir zeigen willst wie toll du und mein Hund befreundet seid. Ich bin nicht deine fucking Glückshormonflatrate. Du lässt mich an der langen Hand verhungern. Meldest dich nur, wenn ich mich melde und am Ende sitz ich da und bin pissed. Bin pissed auf mich, weil ich mich immer wieder auf den scheiss einlasse, bin pissed weil mir das Leben ungerecht scheint und es immer komfortabel ist sich selbst in der Opferposition mit Selbstmitleid zu berieseln. Aber ich bin pissed. So damn pissed. Also geh mir nicht mehr auf den Sack, mit vorgeschobenem Smalltalk um den einzigen Vorteil, den ich dir scheinbar bieten kann zu bekommen. „Wie gehts deinem Hund?“, „Wie läuft das Training mit deinem Hund?“ Hab wenigstens die Eier normalen Smalltalk zu machen und zumindest des Anstandes halber eine Frage zu meiner Person zu stellen, bevor du mich psychisch fickst. Wenn du mir dann noch in die Augen schauen könntest und nicht gleich wieder gehen würdest sobald du dir deine Packung Serotonin abgeholt hast, wäre ich dir auch sehr zu Dank verpflichtet. Aber was soll’s. Dinge sind wie sie sind. Ich kann mich natürlich hier schön in meinem Gefühl der Victomisierung suhlen.  Das ist einfach. Erstmal scheint das Thema so irrelevant und lächerlich in seiner Betrachtung, aber es zerreißt mir das Herz, dass ich scheinbar unsichtbar geworden bin. Ich existiere einfach nicht mehr. Und das ist jetzt wirklich ungefilterter Real Talk. Etwas, was ich nie machen wollte. Aber nun ja, so ist das eben mit Sachen, die man verspricht. Sei es sich selber oder angeblichen Freunden.