Sie ist wieder da

Ich muss ehrlich gestehen: ich fühle mich maßlos von meinem Leben überfordert. Ein Gefühl zwischen Panik, Lebenskrise und blankem Realitätsverlust scheint Kontrolle über mein Leben genommen zu haben. Und dazu diese ätzende Schreibblockade. Einen Gedanken zu haben, den man nur zu gern runterschreiben will, fühlt sich gut an. Man fühlt den Groove, die Muse der Literatur scheint einen zu küssen. Die Finger nähern sich der Tastatur, man fühlt den Vibe und schreibt. Man guckt einmal hoch, liest das eigen Fabrizierte gegen und stellt fest: alles riesengroßer Schrott. Das niedergeschriebene Durcheinander aus gedankenverlorenem Singsang postpubertärer Krise und präadultem Besserwissertum schreit in seiner Darstellung nur so nach Einfallslosigkeit und fehlenden rhetorischen Mitteln.  Ein Text, der so ersetzbar und gleichzeitig so schlecht in der Umsetzung ist, hätte genauso gut von meinem Hund, der wild auf die Tastatur einprügelt geschrieben worden sein. Ich muss es einsehen, seit drei Monaten sitze ich vor meinem futuristischen Endgerät einer ehemaligen Schreibmaschine und tippe wie wild Sätze zu abstrusen Themen runter. Und jedes Mal derselbe Scheiß. Drei Sätze, die inhaltlich sowie stilistisch maximal in Ordnung sind, verlieren sich nach ca. 50 Wörtern im Sand der Unlesbarkeit. Es ist schwer aus einer solchen Phase herauszukommen, wenn man ja auch sonst noch zig tausend Dinge zu tun hat. Ein Fynn Kliemann der natürlich zwanzig Projekte, drei Firmen und zwölf Videos gleichzeitig produziert, schneidet und für die Öffentlichkeit sichtbar macht, ist da natürlich keine Inspiration, wenn man sich schon mit einem 600 Worte Text plus einem Larifari-ich-studier-irgendwas-mit-Medien-Studium in die Hölle des Burnouts getrieben fühlt. 

Sehen wir der Tatsache ins Auge: ich bin schwach. So schwach, dass ich zu der Sorte Mensch gehöre, die sich eine Fristverlängerung für eine Hausarbeit holen, nur um dann wieder bis zwei Tage vor Abgabe nichts tuend über die Zukunfts-Ichs zu philosophieren. Sich einfach hinzusetzen, sich mit der Situation auseinander zu setzen und das mögliche Scheitern zu akzeptieren, scheint ein absolut nicht zur Option stehende Alternative zu sein. Stattdessen verschwende ich meine Zeit im beliebtesten aller Zeitfresser: dem Internet. Genauer gesagt: Netflix. Wahlweise auch YouTube. Egal wie man es dreht und wendet, wenn der Druck etwas zu fertigkriegen zu müssen nicht da ist, liegt es ewig auf Wiedervorlage. In den letzten drei Monaten, in denen ich mindestens eine Hand voll Texte hätte veröffentlichen müssen, sind lediglich Schnipsel literarischen Brachlandes entstanden. Aber es nützt ja nichts. Von nichts kommt nichts. Und wenn man sich schon vor anderen Deadlines scheut, dann fange ich doch lieber mal wieder da an, wo die ganze Misere der Aufschieberitis begann. An der Stelle an der mein lyrischer Untergang seinen Ursprung fand. Schreiben wir endlich mal den einen Text runter, der seit Wochen auf seine Fertigstellung wartet. Und wenn ich euch sage, dass es mich jetzt ungelogen mehr als sechs Wochen gebraucht hat, diesen Zwanzigzeiler hier fertig zu schreiben, dann lass ich euch eins wissen: das war wohl das härteste Workout des Jahres. Also Freunde der Nacht, Freunde der Sonne, der Kunst, der schlechten Poesie, der guten Poesie oder einfach nur Freunde: Es geht wieder los. Ich habe mich gefangen. Ich bin wieder da. Mit Lebenskrise, Hund und den Deadlines im Nacken kehre ich zurück in meine alte Hood des WoW, der World of Wortspiele. Noch lange nicht das erreicht, was ich erreichen wollte, noch lange nicht da, wo ich zum jetzigen Zeitpunkt sein wollte, aber es ist ein Anfang. Und jetzt geh mein Kind: Geh raus und teile diesen Beitrag. Und wenn du schon dabei bist, dann trag dich doch einfach für den Newsletter ein. Kostet auch nichts. Versprochen. Ende der Werbung. Ende des Artikels. Over and out. Mic drop.