Fuck my life

Identitäre Krisen, Bauchschmerzen und ein Karussell, das nicht aufhört sich zu drehen – das ist mein Unterbewusstsein. Triggert mich zu Unrecht in vollkommen zufälligen Situationen. Gestern Abend noch tiefenentspannt, heute Morgen die Ausgeglichenheit eines Zitteraals. Meine mentale Welt fühlt sich auf einmal an, als wäre sie auf Säulen aus Weingummi gebaut. Es fällt mir schwer einen klaren Gedanken zu greifen. Seit Tagen wanke ich in einem Vakuum aus Schlaftrunkenheit und Hyperaktivität. Falle nachts todmüde ins Bett, um nach kurzer Zeit mit einem zufälligen Gedanken an eine nie passieren werdende Situation aufzuwachen. Und wieder von vorne: Herzrasen, Übelkeit und Bauchschmerzen. Wenn ich es nicht besser wüsste, hätte ich mich schon lange durch Dr. Googles Ferndiagnose einweisen lassen.



Meine Wohnung versinkt im Chaos, zu lange hab ich damit verbracht mir auszumalen, was wäre und ob ich dir Bescheid sagen soll, dass ich in der Nähe bin. Aber ich kann nicht, weil du vergeben bist. Weil du ‘ne Freundin hast, mit der du seit Monaten, vielleicht auch Jahren zusammen bist, die dich liebt und nicht wie ich in einer anderen Stadt sitzt und immer wieder an dich denkt. Als hättest du einen Radar, schreibst du mir immer dann, wenn ich dich grade wieder vergessen hab. Geplänkel über die Arbeit, ein bisschen Smalltalk – das einzige, das mein Herz verkraftet, ohne dass ich mich direkt in eine hoffnungslose einseitige Romanze reinsteigere. Aber plötzlich fängst du an private Sachen zu fragen und dich scheinbar auf irgendeine Art und Weise für mich zu interessieren. Alles tippi top und das fickt mein Kopf. Weise wahre Worte, die einst ein deutscher Dichter und Denker von sich gab. 


Seit Monaten geht dieses Spiel jetzt. Gott sei Dank muss ich dich nicht ständig sehen. Und wenn doch, versuche ich auf Distanz zu gehen. Wenn mich das Ganze hier emotional einholt, bin ich echt gefickt. Und zwar so richtig. Da kann ich mit noch so vielen Typen zur Ablenkung abziehen, dann bin ich emotional erstmal raus aus’m Game. Aber so scheint es zu laufen, du weißt wie du mich triggerst und ich laufe dir blind hinterher.
Schön ist das nicht, vor allem die Tage danach nicht, aber in der Situation selbst, schwebe ich auf Wolke 7. Das Ganze ist so kitschig, dass Til Schweizer und Matthias Schweighöfer sich schon die Rechte für den Film gesichert haben. Eine Romanze, die auf Einseitigkeit und einem Menschen beruht, der diese ausnutzt. Shoot me. Just shoot me. Das ist Libidolimbo, das ist ungesund, das ist Mist.

Aber was soll ich machen, wenn du mir gegenüber stehst, mich mit dem schönsten Grinsen der Welt anlächelst, mich länger umarmst, als du müsstest, und immer wieder Blick und Körperkontakt zu mir suchst. Als wäre diese Form der Folter nicht schon genug, schreibst du mir jedes Mal, wenn wir uns gesehen haben, wie leid es dir tut, dass du schon so früh weg warst, wie schön du es fandest, dass wir uns gesehen haben. Jedesmal das selbe Programm und ich bin jedes Mal hin und weg. Klebe dir am Arsch wie ein lästiges Stück Kackband und anstatt loszulassen, bin ich jedes Mal aufs Neue wieder ein Stück mehr involviert. Herzlichen Glückwunsch – ich bin in einer Einbahnstraße der Liebe gefangen. Aber wie drüber hinwegkommen, wenn man sich zu häufig sieht und zusätzlich Kopf und Bauch gegeneinander arbeiten.
Kopf weiß, dass es dumm ist sich einlullen zu lassen und es keine Chance auf ein Happy End gibt, aber Bauch findet die pure Anwesenheit toll und träumt von Zweisamkeit. Und dann startet Bauch eine Revolte und holt Herz und Verstand auch noch auf seine Seite. Und genau dann ist der Moment erreicht, in dem ich vollkommen am Arsch bin. So richtig am Arsch.

Janna Meyer