Freddy Krueger is watching you

Es ist erstaunlich wie der hormongesteuerte Körper funktioniert. Zwischen Manie und Depression schwankend sich durch den Alltag kämpfen. Jede Stunde ohne das Objekt der Begierde werden zur Zerreißprobe. Das Hormon der perfekte Gegenspieler. Stetig den eigenen Körper mit Dopamin, Östrogen und Adrenalin hochpushen. Da kann selbst das kolumbianische Gold nicht mithalten. Völlig „high“ taumelt man durch den Tag. Scheiß auf glutenfrei, low carb oder vegan. Ich ernähre mich von Luft und Liebe. Hunger? Kenn ich nicht. Müdigkeit? Vergiss es. Heidi Klum wäre stolz auf mich, wie ich mich in 3 Wochen purer Hormonabhängigkeit zur perfekten Figur hungere. Völlig ohne Leidensdruck versteht sich natürlich. Wäre die Kombination des Hormoncocktails nicht so alt wie die Menschheit selbst, würde ich direkt Patent anmelden. Vollkommen unschädlich, biologisch abbaubar, Fairtrade und was man sonst noch an Siegeln zur besseren Vermarktung anbringen könnte, würden auf meinem marktführenden Produkt zur Selbstoptimierung einen Platz finden. Einzige Nebenwirkungen: Herzrasen, Schlaflosigkeit, konstante Übelkeit und natürlich macht es körperlich und psychisch abhängig. Ein Tanz auf dem seidenen Nervenkostüm, das dem eines jahrelangen Junkies gleicht.
Man möge mir an dieser Stelle unterstellen, dass ich übertreibe – möglich! 

Dennoch: Hormone sind ein mieser Verräter. Machen sie dich zuerst total high, ziehen sie dich aber auch genauso schnell wieder runter. Wie ein guter Emma Trip, fliegst du zuerst, um die Tage danach in deiner depressiven Stimmung baden zu können. Das geistige Level meiner kognitiven Fähigkeiten schrumpft auf das eines Kleinkindes. Ich werde trotzig, bin liebebedürftig und will natürlich nur den einen. Aber das geht nicht. Also macht man das, was man als Mittzwanziger nicht allein-sein-könnender Mensch eben so macht. Raus unter Menschen und schnell für Ablenkung sorgen. Sei es das Treffen mit Freunden, ein liebloses Date, bei dem man sowieso nur halbherzig bei der Sache ist oder exzessiver Sport. Jeder hat da sein eigenes Mantra. Meins besteht darin, mich hinter meinem geschriebenen Wort zu verstecken und alle paar Minuten einen spastischen Anfall im Hippocampus zu bekommen. Mein limbisches System tanzt Limbo. Also known as: Flashbacks aus der Hölle. Als wäre ich Harry Potter und Voldemort als mein Bruder im Geiste, würde immer wieder den Flashbackknopf drücken, rekapituliere ich das, was gewesen ist. Mein Magen verkrampft. Mir wird schlecht. Ich war selten so dankbar für die Klausurenphase. So wenig Spaß sie bereitet, so sehr hilft sie doch sich beschäftigt zu halten. Freizeit heißt Freizeit für meine Gedanken. Und was da abgeht, ist erstens nicht jugendfrei und zweitens getränkt in einer elendig kitschigen rosa klebrigen Suppe aus Fantasie, Hoffnung und ganz viel Teenager Mentalität. Würde mein Teenager-Ich mich sehen, würde es direkt die Oasis Platte zum „Familiar to Millions“-Konzert auflegen und lauthals „Gas panic!“ mitsingen. Dazu die Jeanslatzhose und das Din A1 große Liam Gallagher Plakat an der Wand. Meine eigene Kitschigkeit und mein hoffnungsloser Fall in die Arme einer mir fremden Personen lösen in mir Panik aus. Passend dazu grölt Liam im Hintergrund: „And if you hear me tap on your window – you better get on your knees and pray – panic is on the way!“ Meine eigene Unreife kotzt mich an. Ich will mich nicht wie ein Teenager aufführen, der von einem imaginären Gefühl verfolgt wird. Einem Gefühl, das mich einschüchtert, mich beschleicht, mich kontrolliert. Es könnte statt Frühlingsgefühl genauso gut auch Freddy Krueger is watching you heißen. Kommt aufs selbe raus. Ich will mich mit dem ganzen Thema nicht mehr beschäftigen. Nicht mehr darüber nachdenken was ist, wenn er sich meldet und was ist, wenn nicht. Ich will mein altes toughes ich wieder. Ich will wieder souverän sein und nicht bei dem Gedanken an deine Person zu einem kichernden Honigkuchenpferd mutieren. Also tu ich das, was jeder Minderbemittelte in meiner Situation tun würde, ich foltere mich, in dem ich mir zum x-ten mal deine letzten Nachrichten durchlese und wie ein Teenager breit grinsend anfange darüber nachzudenken, was alles sein könnte.

Janna Meyer