Drug me, Baby!

Zwischen Techno und Trance, zwischen Tag und Nacht findet der gemeine Druffi seine Existenz. Zuerst Speed um wach zu werden, dann Emma fürs Glücksgefühl und später Koks, damit es zum Ende hin noch ordentlich kickt. Das nennt sich Frühstück, wenn du in der prallen Sonne zwischen Zelten und Bierpong spielenden Normalos, die Bodenhaftung verlierst.
Heb’ dich von der Masse ab.
Zieh’ allen davon.
Gönn’ dir dein wohlverdientes Katerfrühstück der chemischen Sorte.
Du hast es dir verdient.
„Solange ich jung bin und meinen Alltag noch auf die Reihe bekomme, sehe ich kein Grund was an meinem Drogenkonsum zu ändern.“ Du hast dein Leben so gut im Griff, dass dir jegliche Resilienz fehlt. Deine psychische Widerstandsfähigkeit gleicht einem Toastbrot.
Während der Mallorca besuchende Durchschnittsdeutsche seinen Alkoholkonsum mit grölenden Minnegesängen à la „Malle ist nur einmal im Jahr“ rechtfertigt, stehst du zwischen Droge A-Z auf einem Festival im Berliner Umland und überlegst dir was du dir als erstes reinpfeifst. Deine Körpersprache gleicht der eines Feinschmeckers vor dem Regal eines Supermarktes. Vor dir steht ein Tisch, auf dem dir jedes Reiseziel angeboten wird. Egomanie klingt interessant, aber auch Emmalusien scheint seine Vorzüge zu haben. Du musst dich entscheiden, wo du hinwillst.
Eigentlich bist du noch richtig fertig vom gestrigen High, aber der Gruppenzwang und die einmalige Gelegenheit hier zu sein, lässt dich deinen eigenen Kompass unterdrücken. Während dein Körper also schon sämtliches Serotonin beim Rave der letzten Nacht verschossen hat, zerschießt du dir mit einer weiteren Philipp Plein gestanzten Pille die Synapsen wund. Dein Wille nach demselben Gefühl der letzten Nacht, treibt dich an mehr zu nehmen, doch es kickt einfach nicht.
Koks.
Du hattest dir geschworen die Grenze zum kolumbianischen Gold nie überschreiten zu wollen, aber hey  – einmal ist keinmal! Und wie schlimm kann es schon sein, du hast schließlich Freunde die koksen, und denen geht es doch auch gut. Also breitest du vor dir das so kostbare Wunderzeug aus. In zwei fein säuberlich getrennte Lines teilst du die Hoffnung deines nächsten Ekstase-Wunders. Eine Line für dich und die andere für deinen Zieh-Kompagnon. Denn wer alleine zieht, hat ein Problem.
Ein Nasenloch zu halten und du setzt an.
Schnell schießt das weiße Pulver entlang deiner Nasenschleimhäute.
Es brennt.
Aber das ignorierst du. Das ist es wert. Und da – endlich! Es wirkt. Entspannt wirfst du den Kopf in den Nacken. Losgelöst, von dem Druck das Gefühl nicht mehr abrufen zu können. In der nächsten Minute gibt dir die chemische Kombi den Rest und zerfickt dein Hirn. Du bist gut drauf, du fühlst dich bombastisch. Dein eben noch so kleines Ego, schießt durch die Atmosphäre. Du bist das einzige, was jetzt noch zählt. Also komm geh zur Bühne, tanz dich aus. Zeig allen, wer du bist. Du hast es dir verdient. Deine eigene Welt von gestern Nacht ist wieder da. Grad als du den Anschluss wieder gefunden hast, ist alles wieder beim Alten. Keine Wunderwelt mehr, keine Ekstase. Der Mindfuck deiner kurzen Drogenfahrt lässt dich nochmal zum Koks greifen.
Und nochmal.
Und nochmal.
Dass, du nicht abhängig bist, braucht du niemandem erklären. Niemand hier ist abhängig. Schließlich bist du doch nur einmal im Jahr hier. 
Und so kommt es, dass du eine Woche später neben mir auf der Arbeit sitzt und dich darüber auslässt, wie krass dein Wochenende doch war und wie toll die Erfahrungen doch waren. Geblendet von deiner Schönheit, verleitest du andere die Erfahrung auch zu machen und sich mit dir auf eine Reise zu begeben. Erzählst, wie schön die Location war und wie gut das Gefühl war, aber verschweigst, wie du vollkommen überfordert kotzend am See hingst und den Weg aufgrund deiner Überdosis nicht zurückgefunden hast. Wie deine Nasenschleimhäute auch noch Tage danach brennen und sich deine Haut verschlechtert. Wie sau unwohl du dich im Allgemeinen fühlst, sobald du runterkommst und dass dieser Zustand noch lange anhält. Aber du bist ja nicht abhängig. Du bist jung und bekommst deinen Alltag noch unter Kontrolle. Und genau deswegen hast du dir eine Philipp Plein Pille aufgehoben. Um sie am darauffolgenden Wochenende als Zeitmaschine in eine bessere Zeit zu benutzen. Aber du bist ja nicht abhängig. Du bist einfach nur jung. 

 

 

 

Janna Meyer