Ein Trennungsguide

Halten wir fest: Trennungen sind der letzte Bullshit. Sie tun weh, sind meist von Schmerz und Tränen gezeichnet und machen das Leben nur unnötig anstrengender als es ohnehin schon ist. Vor allem, wenn sie unfair sind. Ich kenne wenig, dass mehr schlaucht als ein ausgefeilter Rosenkrieg. Intrigen, Anschuldigungen und eine Prise Egozentrik gemischt mit einem Hauch Hass ergeben die perfekte explosive Mischung. Ein Machtspiel an dem sich selbst Fontane noch was abschauen könnte. Wer blockiert wen, wer hat wem zuletzt geschrieben, und wer hat wen entfreundet. Was sich hier nach absolutem Kindergartenniveau anhört, ist leider trauriger Alltag eines manchen Mitmenschen. Das geknickte Ego und der angekratzte Stolz sitzen wie Teufelchen und Teufelchen links und rechts auf der Schulter des Verlassen(d)en und reiben mit ihren spitzen Krallen tiefe Furchen in die ohnehin schon frische Wunde. Da wundert es mich nicht, wenn so manch einer die Kontrolle über die eigene Wahrnehmung verliert, und wie ein besessener in die digitale Schreibmaschine haut. Doch spätestens 12 Stunden später, ist die Scham groß, der Gräuel vergessen, der Text jedoch abgeschickt. 

Deswegen hier ein paar Grundregeln für Trennungen von Prof. Dr. CMR persönlich: 

Nun – dass die wohl schäbigste aller Methoden per SMS Schluss zu machen ein absolutes No-Go ist, ist seit den 90ern bekannt. Es gibt wenig, das peinlicher ist, als zu feige zu sein, den ehemals heiß geliebten Partner persönlich abzuschießen. Was direkt zum nächsten Punkt Fairness führt. Sei fair. Aus rein egozentrischer Sicht spart man sich mit einer fairen Trennung durchaus eine Menge Stress. Eine diplomatische Trennung ist für beide Parteien das einfachste. Anschuldigungen und sich gegenseitig die Augen auszukratzen, bis kein Stück Empathie mehr übrig ist, ist für den Moment ganz befriedigend, aber spätestens, wenn du die Hilfe des anderen noch einmal brauchst mehr als unangenehm. Vor allem, wenn man sich eine Wohnung teilt, und die nächsten Wochen erstmal noch zusammen wohnen muss. Also: egal, wie viel Gräuel du hegst, sei respektvoll. Und der letzte, aber nicht zu vernachlässigende Punkt: lass es gut sein. Wenn alle Dinge geklärt, das Mobiliar aufgeteilt und das Sorgerecht um die gemeinsame Katze gerecht verteilt ist, lass los. Lass dich nicht von plötzlich aufkommenden Ideen, in denen du der Meinung bist, doch noch nicht alles gesagt zu haben, leiten, um dann mitten in der Nacht eine Hassparole nach der anderen an den Ex der Wahl zu schicken. Was sich in dem Moment vielleicht richtig anfühlt, ist spätestens am Morgen danach die Krönung der Peinlichkeit. Nachtreten ist langweilig und viel zu einfach. Gesteigert wird das nur noch durch das Blocken des anderen, um selbst Nachrichten schicken, aber keine mehr empfangen zu können. Bravo! Du hast die unterste Stufe der Traurigkeit erreicht. Wer sich trennen will, muss die Eier haben, das auszuhalten. Wer sich sträubt, verliert. 

Es ist schwer sich nicht von Gefühlen leiten zu lassen. Ein kühler Kopf in Form eines Freundes hilft da Wunder. Eine liebevolle Respektschelle oder ein sanfter Schlag auf den Hinterkopf helfen der Erinnerung dann doch schnell auf die Sprünge, wenn der Gedanke an die eigene Würde verblasst.  Und wenn selbst das nicht mehr hilft, gib dein Handy ab. Lass es Zuhause, gib es einem Freund oder schließe es ein. Alkohol als Katalysator der dummen Ideen, macht dich zwar mutiger, in dem Fall aber auch wesentlich dümmer. Lass dich nicht leiten von Dingen, die nur temporär sind und eventuell nur eine Nacht halten. Freu dich auf die Zeit, in der es dir besser gehen wird. Das wird wieder. Selbst wenn er dich über alle erdenklichen Kanäle an sich erinnert. Das wird wieder. Versprochen. 

Janna Meyer